Das Laurentiusfest in Enkhausen war für unsere Vorfahren das Fest des Jahres, es hatte jedoch in den letzten 50 Jahren immer mehr an Bedeutung verloren.
Im Jahr 1991 hat sich die "St. Laurentius" Schützenbruderschaft auf ihre Standarte geschrieben, der kirchlichen und der weltlichen Feier des Laurentiusfestes neue Impulse zu geben und somit eine alte Tradition neu zu beleben. Zugleich sollte daran erinnert werden, wie es früher einmal wahr.
Unsere Pfarrkirche, die dem grossen Heiligen und Märtyrer Laurentius geweiht ist, stand schon im 12. Jahrhundert in unserem Dorf, denn im Jahre 1202 wird urkundlich ein Pfarrer zu Enkhausen - mit Namen "Luthevikus de Eberchusen" - erwähnt. Es sollten aber noch Jahrhunderte in's Land gehen, bis die damalige Kirchspielpfarrei die lebensgroße Statue ihres Patrons im Jahre 1650 - 2 Jahre nach dem 30-jährigen Krieg - erwerben konnte. |
Die Chronik berichtet:
"Im Jahre 1650 wurde die Statue des Hl. Laurentius durch Weihbischof Bernhard Frick (gebürtig aus Hachen) eingesegnet und auch in das Haupt der Statue eine Reliquie des Hl. Gereon eingefügt. Diese lebensgroße Figur des Hl. Laurentius, mit seinem Marterwerkzeug, dem Rost und der Friedenspalme, muss auf die Menschen der damaligen Zeit eine magische Anziehungskraft ausgeübt haben. Bald konnte die Kirche an den Laurentiusfesten die Gläubigen nicht mehr fassen, denn die Pfarrchronik weiß:
Im Jahre 1692 erhielt die Pfarrei zu Enkhausen vom Kölner General - Vikar die Erlaubnis, am Feste des Hl. Laurentius auf Grund der Menge der Pilger (Pilger-Confluxes) die Hl. Messe auf dem Kirchhofe (hinter der Pfarrkirche) zu halten."
Irgendwann in diesem Jahrhundert konnte die im Jahre 1896 fertiggestellte neue große Kirche alle herbeigeeilten Pilger aus dem früheren Kirchspiel zur Festmesse aufnehmen und von da an wurde "auf dem Kirchhofe" nur noch die "Bergpredigt" von einem Pater aus Werl gehalten.
Manch älterer Enkhauser wird sich erinnern, wie er nach der 2-stündigen Prozession nach Estinghausen am Ufer hinter der Kirche im Gras gesessen und der Predigt des Paters zugehört hat. Meist stand an diesem August-Tag eine sengende Sonne am wolkenlosen Himmel. |
Seit Menschengedenken ging die Laurentius-Prozession bis zum Jahre 1971 nach Estinghausen; doch in früheren Jahrhunderten gab es andere Wege - so überliefert uns die Chronikeintragung von etwa 1850:
"Der eine (Prozessions-Weg) führte durch den Stemeler Weg, am jetzigen Kirchhofe vorbei, über das Rohnscheid durch Busch und Wald bis zum Langscheider Kirchwege und auf diesem zur Kirche zurück.
Der zweite führte die Wiggenschlade hinauf, dann durch das Stockei am Weilhofe vorbei, wieder zur Kirche. |
Zwei beschwerliche Wege, welche der Andacht und Sammlung ebenso wenig förderlich sein konnten, als den Fahnen und sonstigen Paramenten."
Erst im letzten Jahrhundert, mit der Eintragung des damaligen Pfarrers Bernhard Kersting vom Jahre 1928, vermittelt die Pfarrchronik genauere Angaben über die Größe und Bedeutung der Laurentius-Prozession:
"Das Fest des Hl. Laurentius, unseres Kirchenpatrons, wurde am Sonntag, dem 10. August, mit besonderer Feierlichkeit begannen. An der sakramentalen St. Laurentius-Prozession nahmen ca. 3000 Gläubige teil aus nah und fern, sowie 10 Geistliche (u.a. wurden die Pfarrvikare aus Hachen, Hövel und Langscheid erwähnt)."
Man kann sich das heute kaum mehr vorstellen:
In unserem kleinen Dorf Tausende von Menschen, die die Mühsal eines beschwerlichen und oft weiten Fußweges auf sich genommen hatten, um an dem feierlichen Hochamt und der Laurentius-Prozession teilzunehmen. Die Enkhauser öffneten den Pilgern ihre Häuser und Herzen. Ganze Zimmer wurden ausgeräumt, um für die Gäste Platz zu schaffen und das Beste, was Küche und Keller zu bieten hatte, kam reichlich auf den Tisch.
Laurentius in Enkhausen war nicht nur eine erhebene, großartige religiöse Feier, Laurentius war ganz besonders auch Volksfest mit
- Belustigung für Kinder
- mit freudigem Wiedersehen zwischen weit entfernt voneinander lebenden Verwandten
- mit fröhlichem Bechern in den nahe der Kirche gelegenen überfüllten Gasthäusern
- mit Handwerkern, die ihre Dienste und
- Händlern, die ihr Obst, Süßigkeiten und andere Waren anboten
Besonders für die Landwirtschaft notwendige Dinge wie Sensen, Heuharken usw., aber auch Kopftücher für die Frauen und Strohhüte für die Männer für die Feldarbeit gab's zu kaufen.
Um die Kirche herum, auf der Dorfstraße, in jedem Haus war der "Laurentius", alles atmete "Laurentius". Es war das Fest des Jahres, war Glaube, Freude, Feierlichkeit, war Hochstimmung und menschliche Begegnung; war vor allem auch verdientes Ausruhen nach schwerer Erntearbeit.
Was ist davon geblieben?
Die Chronikeintragung von Pfarrer Franz Spielmann aus dem Jahre 1949 sagt und klagt: "Die Laurentius-Prozession ist sehr schön gewesen. Die Gläubigen sind von weit her gekommen. Aber wie man hört, ist die Prozession und die ganze Laurentiusfeier vor 50 Jahren viel großartiger gewesen. Die ganze Umgebung stand im Banne des Laurentiusfestes. Heutzutage kommen die jungen Leute immer mehr von der Laurentiusfeier ab. Daran schuld ist das Verschwinden des religiösen Geistes; es wird zuviel Zerstreuung geboten." |
Die Chronikeintragung von 1953 erzählt:
"Am Laurentiusfeste ging die Prozession wieder den alten Weg nach Estinghausen. Viele Fremde waren wieder anwesend. Aber was ist das gegen frühere Zeiten vor 50 Jahren?"
Und es kommt die Befürchtung zum Ausdruck: "Es wird wohl einmal die Zeit kommen, da kein asuwärtiger Katholik etwas weiß von der großen Laurentiusfeier in Enkhausen."
Diese pessimistische Vorhersage von Pfarrer Franz Spielmann aus dem Jahre 1953 wollte die Schützenbruderscafft "St. Laurentius" Enkhausen nicht wahr werden lassen.
"Glaube, Sitte und Heimat" sind für die Bruderschaft eine hohe Verpflichtung, den Geist tiefer Frömmigkeit vergangener Jahrhunderte zu achten und zu ehren, aber auch gesunder Lebensfreude - im fröhlichen Aufeinanderzugehen und im herzlichen Miteinander - Raum zu geben. So, wie es unsere Vorfahren gehalten haben.
Seit der "Wiederbelebung" im Jahre 1991 hat die Bedeutung des Laurentiusfestes wieder sehr stark zugenommen. Besonders die Gläubigen aus dem alten Enkhauser Kirchspiel pilgern wieder nach Enkhausen. Die Langscheider gehen zum Teil den alten Kirchweg nach Enkhausen und halten dann Einzug durch die "Langscheider Tür" in die Pfarrkirche. Auch die Bruderschaften des alten Kirchspiels nehmen in großer Formation und mit ihren Fahnenabordnungen an dem Festhochamt und der Laurentiusprozession teil.
Die Frauen der KfD binden vor dem Fest den großen Ehrenbogen. In den frühen Morgenstunden des Laurentiusfestes wird dann von den Frauen der Blumenteppich vor der Kirche gelegt. Es werden immer wieder andere Motive ausgewählt. Diese Blumenteppiche lösen bei den vielen Pilgern und Besuchern immer wieder eine sehr große Bewunderung heraus. |
Nach der Bergpredigt und dem kirchlichen Segen beginnt die weltliche Feier des Laurentiusfestes rund um das Pfarrheim. Auch hier werden alte Traditionen fortgesetzt. Der Charakter eines Bauernmarktes gibt dem Fest heute den Flair vergangener Zeiten. Begegnungen zwischen Verwandten und ehemaligen Bewohnern des alten Kirchspiels lassen dann alte Zeiten wieder neu aufleben.
So soll es auch weiterhin vielstimmig und feierlich bei der Prozession durch das Enkhauser Tal schallen:
"Zur Dir schick ich mein Gebet, das um Deine Hilfe fleht, Heiliger Laurentius." |